eod a5 kl

 

Informationen der AdipositasHilfe Nord e.V.
zum Europäischen Adipositas Tag 2017

Die Adipositas ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Experten sprechen von einer Epidemie die durch Deutschland und Europa zieht.

Der Europäische Adipositas Tag, der in diesem Jahr zum 7 . Mal in Folge stattfindet, soll die Menschen zusammenbringen, sensibilisieren und das Wissen über die Adipositas und deren Begleiterkrankungen vertiefen.
Obwohl Experten, Fachverbände und auch die Weltgesundheitsorganisation bereits festgestellt haben, dass es sich bei der Adipositas um eine Krankheit handelt, die noch viel zu wenig erforscht ist, werden Betroffene in unserer Gesellschaft stigmatisiert und auch diskriminiert. Die Folge sind weitere Erkrankungen und oftmals auch soziale Isolation der Betroffenen.

Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeverbände versuchen diesen gesundheitspolitischen Mangel in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit etwas aufzufangen, indem sie Betroffenen eine Anlaufstelle bieten, wo diese sich öffnen und informieren können. Die Leitungen der Selbsthilfegruppen sind allesamt selbst Betroffene und fühlen sich oftmals mit den Fragen und dem Leid der Hilfesuchenden überfordert. Die Selbsthilfeverbände versuchen die Leitungen hierbei zu unterstützen, sind auf Grund ihrer eigenen Ehrenamtlichkeit allerdings auch in ihrer Leistungsfähigkeit beschränkt, obwohl alle sehr motiviert und engagiert sind. Leider ist es kaum möglich entsprechenden Zugang zu Mitteln zu bekommen um die Arbeit so auszuführen wie sie nötig wäre. Die Erkenntnis, die wir daraus gezogen haben ist:

Wir Dicken haben keine Lobby und werden oftmals alleine gelassen!


Als eine der gravierendsten Begleiterkrankungen der Adipositas ist bekanntermaßen Diabetes mellitus. Eine wirksame Bekämpfung des Diabetes mellitus kann daher nur in Verbindung mit der Behandlung und Therapie der Adipositas einhergehen.
Ambulante Therapien werden meistens unter dem Deckmantel der Prävention durchgeführt, was für die Betroffenen einen teilweise erheblichen Eigenkostenanteil nach sich zieht und Geringverdienern den Zugang zur entsprechenden Therapie nahezu unmöglich macht.

Gerade Ernährungstherapien von qualifizierten Ernährungstherapeuten sind immer noch nicht in die Heilmittelrichtlinie aufgenommen und werden von den Kassen lediglich im Rahmen der Prävention bezuschusst.  Betroffene bestimmter Krankenkassen können nicht einmal einen Ernährungstherapeuten frei wählen, da die Kassen eigene "Präventionsprogramme" durchführen und die Betroffenen diese nutzen müssen. Dies teilweise telefonisch. Eine adäquate Therapie ist hier nicht gegeben.

Betroffene mit einem Body Mass Index von >40 kg/m² benötigen keine Prävention mehr.
Sie benötigen eine Therapie im interdisziplinären Team mit engmaschiger Betreuung!

Was ist aus unserer Sicht zu tun?

  1. Das Netz von Psychotherapeuten mit Krankenkassenzulassung muss zwingend weiter ausgebaut werden;
  2. Niedergelassene Ärzte müssen besser in der Thematik "Adipositas" geschult und sensibilisiert werden;
  3. Die ambulanten Präventionsprogramme für Kinder- und Jugendliche müssen zwingend verstärkt und besser finanziert werden, da die Folgen für unsere Gesellschaft nahezu unabsehbar sind;
  4. die ambulante Ernährungstherapie bei Adipositas und auch Diabetes muss in die Heilmittelrichtlinie aufgenommen werden;
  5. Die Selbsthilfe muss gestärkt werden. Nicht nur mit leeren Worten und immer steigendem bürokratischen Aufwand für die ehrenamtlichen Leitungen der Selbsthilfe. Selbsthilfegruppen und gerade die Selbsthilfeverbände sind chronisch unterfinanziert, obwohl diese einen Großteil der Aufklärungsarbeit bei Betroffenen durchführen, diese umfassend und durchgehend betreuen.
  6. Im Bereich der adipositaschirurgischen Maßnahmen muss der Begutachtungsleitfaden "Bariatrische Chirurgie (Adipositaschirurgie) bei Erwachsenen"  der medizinischen Dienste bundesweit gleichwertig angewandt und die "Gutachter" besser auf die Thematik geschult werden. Gutachter die eine "Amphetamintherapie" als konservative Maßnahme empfehlen sind für Betroffene nicht hilfreich.
  7. Die Gutachter der medizinischen Dienste, die in diesem Bereich aktiv sind, müssen zwingend in der Thematik fortgebildet werden;
  8. die Nachsorge und Nachbetreuung von Betroffenen nach einer Therapie  muss klar definiert und finanziert werden. Unabhängig von der Form der Therapie. Gerade die Ernährungs-/ und Psychotherapeutische Nachbetreuung ist unabdingbar.
  9. Lebensmittel müssen endlich mit einer Nährwert-Ampel gekennzeichnet werden.

Letztendlich sind dies aus unserer Sicht alles keine unmöglichen Wünsche. Natürlich wird dies alles erstmal Geld kosten. Gemessen an den volkswirtschaftlichen Folgekosten. die durch das Unterlassen entstehen, könnte man dies schon fast als „Peanuts“ bezeichnen.
Wenn Sie mehr über uns und unsere Arbeit erfahren möchten sprechen Sie uns an.

Sie können diesen Text auch hier in einer PDF Version herunterladen

Beratungsstellen

Junge Adipositas

Empfehle uns